ENVA Energy GmbH
Wir optimieren Ihre Dampfprozesse!
Call Us : +49 (0) 2365 – 20 81 90
Mail Us : info@envaenergy.com
Office Time : Montag bis Freitag
08:00 - 20:00

SÜDWEST PRESSETurbo für die Biogasanlage

Biogasanlage
Januar 09, 2017

by envaenergy Aktuelle News, NEWS

Bei der Stromerzeugung in einer Biogasanlage wird auch Wärme produziert.

Diese Energie wird teilweise zum Betrieb der Anlage genutzt und im besten Fall in ein Nahwärmenetz eingespeist. So funktioniert das auch mit der Anlage, die Andreas Schneider und sein Vater Julius in Schnürpflingen betreiben. Bis zu 50 Gebäude werden von dort mit Wärme versorgt (siehe Infokasten).

Für den 36-jährigen Andreas Schneider ist das noch nicht genug. Als er die Planung eines dritten Blockheizkraftwerks (BHKW) zur Wärmeversorgung anging, stieß er auf die Firma Orcan. Das Münchener Unternehmen hat eine so genannte Nachverstromungseinheit (Organic Rankine Cycle/ORC) entwickelt, die Wärme in Strom umwandelt.

Die Funktionsweise ist simpel, erklärt Hermann Iding, im Unternehmen für die Pressearbeit zuständig. In das ORC-Modul wird Wärme eingespeist, die dort einen Kreislauf anstößt: Das in einem geschlossenen System befindliche, schon bei niedriger Temperatur verdampfende Medium wird erwärmt, dehnt sich aus, treibt einen Generator an, kühlt ab, strömt zur Wärmequelle zurück und kommt wieder in Fahrt.

Diesem Prinzip, das der schottische Physiker William John Macquorn Rankine (1820-1872) schon vor 150 Jahren beschrieben hat, prophezeit Iding eine große Zukunft. Trotz bereits vielfältiger Nutzung gebe es in Deutschland noch großen Wärmeüberschuss, so dass mit ORC so viel Strom produziert werden könne wie in zwei bis drei Atomkraftwerken. „Der Energiewende wird eine Wärmewende folgen“, sagt Iding voraus.

Orcan produziere unterschiedlich leistungsstarke Einheiten, die fast beliebig aneinandergereiht werden könnten. Die Einsatzmöglichkeiten reichten deshalb vom Wohnhaus über Schwimmbäder bis zu Industriebetrieben. Selbst in Lastwagen könne die Wärme des Verbrennungsmotors für den Betrieb eines zusätzlichen Elektromotors genutzt werden.

Die bei Schneider am Donnerstag im Rahmen eines Biogas-Tages vorgestellte Anlage ist deutschlandweit einmalig. In dem blauen Container ist ein ORC-Modell mit einem BHKW des Herstellers „2g“ kombiniert. Als ein Kran die Einheit Anfang September vom Tieflader hievte, hatte der innovative Landwirt gewissermaßen mehr Biogas-Wirkungsgrad am Haken. Mit der Neuerung könne er Wärme und Strom flexibler produzieren. Letzteren zusätzlich, vor allem in der Zeit, wenn wenig geheizt werden muss, erklärt Schneider

Die Steigerung des Wirkungsgrads um zwei Punkte auf 44,5 Prozent scheint zunächst nicht berauschend. Doch gleichzeitig kommt die Anlage mit weniger Substrat für den Gärvorgang aus. Mit zehn Prozent weniger rechnet Schneider, was einer jährlichen Einsparung von etwa 30.000 Euro entspreche. Die 90.000 Euro für das ORC-Modul sollten sich also in absehbarer Zeit rentieren, meint der Landwirt.

Biogasbauern aus der ganzen Region informierten sich am Donnerstag über die brandneue Technik. „Hochinteressant“, befand Ulrich Eberle aus Erbach. Die zugeschaltete ORC-Einheit sei besonders für „Insellagen“, also Biogasanlagen, die keine Nahwärme anbieten oder keine Prozesswärme nutzen können, eine Möglichkeit, die Effizienz zu steigern. Eberle: „Mit Sicherheit ist diese Technik ein Einstieg, Wärme besser zu nutzen und fossile Brennstoffe weiter zu verdrängen – mit nach oben offenen Möglichkeiten.“